
Nu denn,
auf gehts mal meinen Arbeitstag exemplarisch zu beschreiben! Alle Bilder sind schon vor drei Wochen entstanden. In letzter Zeit bin ich immer lange auf Arbeit gewesen unddaher hats etwas länger mit dem Bildzusammenbau gedauert. Morgen ist ja Election Day und da wird dort sicher auf irgendeine Wahlparty gehen, wollt ich das jetzt noch unbedingt "loswerden".
Los gehts in dem Nummernmarathon:
#1 8:00 der "Desk" wird passiert. Frühs hat immer "Tena" Concierge Dienst, die Freundlichkeit in Person, für mich allerdings schon wieder zu viel. So wird jeden morgen gefragt "How are you?" Naja und die Ammis erwarten halt das man irgendwas schönes drauf antwortet, was ich aber frühs im Morgengrummeln überhaupt nicht einsehe. Jedenfalls wurden die Begrüßungen so jeden morgen immer sparsamer, bis wir mal in einer Diskussion mit den beiden Ammis in unserm Büro herausgefunden haben, dass es doch recht wichtig ist, darauf zu antworten. Franzi hat das in Australien ja auch schon erfahren und seit dem winde ich mich mit dem Trick davon, dass ich einfach zuerst "Good Morning" mit strahlendem Lächeln entgegenwerfe und bis die Antwort ausgesprochen ist, hab ich mich schon zu Tür bewegt und bin am davon flitzen. Jedenfalls ist Tena nun auch immer gut drauf. Nachdem ich sie dann noch zusätzlich um das Foto gebeten hab und ihr auch erklärte, dass ich das von Dtl. mit dem "How are you" nicht gewöhnt sind auch alle argwöhnischen Zweifel beseitigt.
#2 Nach dem Desk gehts jedenfalls die Treppe weiter hinunter in die Tiefgarage, Level 4. Dort steht das Schwinny, mein fahrbarer Untersatz. Der bringt mich jeden morgen zuverlässig zur Arbeit und auch wieder retour. Nur einmal hatte ich einen Aussetzer, natürlich ein Platten. Das es nur einer ist, ist umso verwunderlicher je genauer man sich die Straßen anschaut. Sowas wie Kehrmaschinen kennt man zwar, aber deren Einsatz ist nicht vorgesehen! Lauter Dreck, Scherben und Steine sind vor allem am Straßenrand zu finden. Naja, etwas hab ich jetzt vorgesorgt: Vorne habe ich einen Kevlar-Reifen aufgezogen, hinten gabs einen Slime-Schlauch, so dürfte ich zumindest etwas besser präpariert sein. Ansonsten hab ich dem Schwinn noch ein Beleuchtungsset für die nun kommenden, dunklen Tage spendiert, genauso wie ein neues Hinterrad (Achse war bereits angebrochen) sowie ein paar neue, gebrauchte, Metall-Pedale. Die Plaste-Dinger welche vorher dran waren, taugten einfach nix. Die Bikes wurden übrigens vom Institut gestellt und sind immer für die deutsche Interns gedacht, da die ja gerne mit dem Rad zur Uni fahren.
#3 Nun gehts es raus auf die 13th St. und gleich den ersten Berg hinauf. Die Ammis planieren ihre Städte und Straßen nicht, das wird einfach hin geklatscht. Daher kann man auch nie sicher sein, dass der Wolkenkratzer wirklich der höchste ist, oder vielleicht sein Nachbar, der nur im Tal steht. Jedenfalls passiere ich eine 4 spurige Einbahnstraße und biege dann nach links auf die Peachtree St. NE ein.
#4 Auf der Peachtree geht es dann vorbei an Baustellen für neue Eigentumswohnungen. Mal schauen wie die sich nach der Subprime Krise und der jetzigen Finanzkrise verkaufen werden. Ein Haus (das rechte auf dem Bild) wurde jedenfalls vorige Woche fertiggestellt und es sind auch schon zwei Wohnungen belegt! (von geschätzten 300).
#5 Nun geht es weiter auf der Peachtree bis zur Ecke 10th. Dort dann ab nach rechts auf eine neue Achterbahn, mal hoch mal runter.
#6 Auf der 10ten wir die Metro-Staion Midtown passiert und ein als Hochhaus verkleidetes Kraftwerk.
#7 Wir befinden uns auf der Kreuzung 10th und West Peachtree. Ab hier fahr ich immer gerade aus und mit voller Pulle bergab! Da heißt es reintreten und mit 40 Sachen die Straße hinunter brettern, gibt ja nicht allzu viele Möglichkeiten mal schneller als die Autos zu sein.
#8 Mitten auf der Abfahrt wird auch der Interstate I75/85 passiert. Hier kann man je nach Tageszeit den stockenden Verkehr in West- oder Ost-Richtung beobachten (auf je 7 Richtungsspuren + 1 Abbiegespur). Die Skyline hingegen ist inzwischen schon Alltag geworden, hehe.
#9 Bei Papa John's Pizza, Kreuzung State ST. und 10te biege ich links ab. Wenn man Ansgar besuchen will, heißt es hier rechts abbiegen und nach 100m gleich nochmal.
#10 Die State Street gehts es jedenfalls nun wieder bergab und hier hab ich auch das einzige mal einen Fahrrad-Seitenstreifen. Da merkt man schon, dass man sich dem Campus nähert. Nun geht es nur noch ein kleines Stücken nach rechts auf dem Ferst Drive entlang und schon bin ich nach ca. 8-10min da.
#11 Oftmals begegnen einem hier auch die Techtrolleys, Busse die von der UNI gestellt werden und in verschiedene Richtungen im 10min-Takt fahren.
#12 Auf der Wiese vor dem MaRC-Building (Manufacturing Research Center) in dem wir, das PRC (Packaging Manufacturing Research Center), untergebracht sind, squirrelt es frühs immer heftig. Leider sind die Squirrels hier grau und nicht schön rot-braun, aber lustig sind sie dennoch ihnen anzuschauen.
#13 Das Schwinny wird dann am Hintereingang festgezurrt und darf sich auf die Mittagssonne freuen.
#14 Erster Anlaufpunkt am Morgen ist dann meist das Büro von Hunter Chan. Hunter ist sozusagen mein Vorgesetzter und Projektleiter und gibt mir dementsprechend die Aufgaben die zu erledigen sind. Zurzeit arbeite ich in einem Projekt für DuPont und wie immer ist alles streng geheim. Das macht das Lernen der Prozesse, wie und warum, allerdings ungleich schwerer. Denn keiner will mit Detailwissen rausrücken.
#15 Weiter gehts dann in mein Büro was ich mir mit Ansgar, Mike und Jason teile. Jason sitzt meist auch schon da und begrüßt einen mit einem freundlichen Wazz'up. Dann wird erstmal über die Sinnhaftigkeit der einen oder anderen heutigen Aufgabe diskutiert und schon gehts los.
(#16 Hier sieht man nochmal meine Seite des Büros, auf dem blauen Stuhl sitz ich und dreh mich im Kreis, harrharr.)
#17 Nun sind wir im Labor mit den verschiedenen Chemielinien. Links wird elektrochemisch verkupfert, hinten rechts elektrolytisch. Die fordere rechte Linie wird derzeit bereit gemacht, welches Metall wird dort nutzen werden, ist noch nicht ganz raus.
#18 Bild 18 zeigt mich dann mit etwas unvorteilhaftem Gesichtsausdruck, aber naja. So sehen wir jedenfalls in Arbeitskleidung aus. In der Hand halte ich ein Test-Board um zu schauen ob die BondFilm-Behandlung auch wirklich klappt. Kenner wissen jetzt, dass es sich um eine Behandlung zur besseren Haftung auf dem Kupfer handelt und nicht um eine geheime Technik aus einem 007-Film.
#19 Hier sieht man wie Ansgar und Hunter an der Fräsmaschine stehen und Löcher für ein Board im Starfire-Project bohren. Das ist daher so spannend, da man nie so richtig weiß was die Fräsmaschine als nächstes so macht.
#20 Dennoch haben wir es irgendwann geschafft und man kann nun das fertige Exemplar bewundern.
#21 Bild 21 zeigt wie ich in voller Montur aussehe. Da man jedoch nicht wirklich sieht, dass ich das bin, hätt ich mir auch getrost das ewig lange Ankleiden sparen und einen andern Volltrottel posieren lassen können. Aber Wurst, die ganzen Sachen braucht man zum Glück nur wenn man den Nitrogen Oven oder den Belichter nutzten will. Kommt also nicht ganz so oft vor.
#22 Wenn man lange auf Arbeit bleibt und die Tür offen lässt, dann kommt meist auch nochmal der Venky (der rechtere von Beiden) vorbei. Er ist hier sozusagen der Boss unserer Abteilung, schmeisst den Laden und sorgt für neue Aufträge. Neben ihm steht Vivek, ein weiterer Inder, allerdings nur Student. Überhaupt ist hier Multi-Kulti angesagt. Im Januar kommen dann ja noch die beiden Polen, auch von Dresden aus, dazu gibts hier Chinesen, Kolumbianer, Venezueler und ab und an sogar ne paar Ammis...
#23 Meist zwischen 17:00 und 18:00 gehts dann wieder nach Hause. Dann kann man auch wunderbar die Rush Hour beobachten. Alles drängelt sich auf den Highways und an vielen Ampeln wird der Verkehr von Straßenpolizisten geregelt. Umso seltener mein Bild, denn es zeigt mal keinen Stau. Irre, bisher hab das nicht wieder gesehen.
#24 Auf dem Heimweg passiere ich dann auf der West Peachtree die wohl am besten versteckte Bushaltestelle in Atlanta. Um sie leichter zu erkennen hab ich das Bild mal entsprechend bearbeitet, sonst wärs wohl ein Suchbild geworden. Gerade mal so groß wie ein Hydrant und schon sehr ramponiert, da sind anscheinend schon einige Autos drüber gefahren. Aushangfahrpläne gibt es nicht, und auch sonst befinden sich die Haltestellenschilder manchmal hinter Bäumen, Gebüschen und was es alles so gibt.
#25 Nach etwas bergab rollen erreiche ich dann den Hintereingang meiner Tiefgarage und lasse mir das Tor mittels Funkschlüssel aufmachen. Da gucken mich die Leute immer blöde an wenn ich mit meinem Bike durchs Tor gefahren komme.
#26 In der Tiefgarage findet man dann alles was das Herz eines ADAC-Mitglieds begehrt: Audi A8, Chevie Limo Style, Mercedes S-Klasse, 500 SL AMG, 7er BMW, Jaguar, Lotus, Maserati, Porsche noch und nöcher und auch ganz viel Lexus. Also ein typisches Studentenwohnheim, hehe. Naja und dann gehts wieder rauf zum Concierge, mal schön Hi sagen und ab in den verdienten Feierabend. Was man dann Abends noch als Schlummertrunk gut zu sich nehmen kann, zeig ich demnächst, ich sag nur soviel: der Dude lässt grüßen
cu